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:: Offener Brief an die Landtagsfraktion der Grünen in Hessen ::

Mit Blick auf eine wahrscheinliche weitere Beteiligung an der Landesregierung der Grünen in Hessen, haben 15 Bürgerrechtsorganisationen sowie zahlreiche Privatpersonen einen offenen Brief - angestoßen durch die Datenschützer Rhein Main - mitgezeichnet, welcher, kurz gesagt, im Sinne eines Appells zur Besinnung auf den Schutz der Bürgerrechte fokussiert. Da ich mitgezeichnet habe, veröffentliche ich ihn gerne hier.




Offener Brief                                                               18.11.2018

An die Landtagsfraktion von Bündnis 90 / Die Grünen in Hessen

Sehr geehrte Damen und Herren Landtagsabgeordnete,

das Wahlergebnis spricht dafür, dass Sie und Ihre Fraktion mit großer Wahrscheinlichkeit der nächsten hessischen Landesregierung angehören werden. Wir möchten daher - gestützt auf die bürgerrechtlichen Positionen, die Ihre Partei von Beginn an mitgeprägt haben - an Sie appellieren, den Schutz der Bürger*innenrechte auch in Hessen wieder in den Fokus Ihrer Landespolitik zu nehmen.

In der vergangenen Wahlperiode haben Sie - gemeinsam mit der hessischen CDU - diverse Veränderungen an hessischen Landesgesetzen beschlossen, die Polizei und Verfassungsschutz deutlich erweiterte Befugnisse einräumen und damit zugleich massiv in Grundrechte der Bürger*innen unseres Landes eingreifen. Beispielhaft möchten wir drei Punkte benennen:

1. Den sogenannten Hessentrojaner, der es der hessischen Polizei erlaubt, unbemerkt Smartphones, Computer oder andere mit dem Internet verbundene Geräte zu kontrollieren; Die Installation soll über Sicherheitslücken geschehen, die dann auch für Kriminelle offen stehen.

2. die Erweiterung der Befugnisse des Hessischen Landesamtes für Verfassungsschutz (LfV) bei der Überprüfung von Personen und Projekten, die der Abwehr von Islamismus, Rechtsradikalismus und anderen demokratieverachtenden Bestrebungen dienen und durch Mittel des Landes Hessen gefördert werden;

3. unzureichende Rechte des Parlamentarischen Kontrollgremiums auch in Hinsicht auf Oppositionsrechte und den Schutz von Whistleblower*innen.

In anderen Bundesländern, in denen die jeweiligen Landesregierungen Verschärfungen der Polizei- und/oder Geheimdienstgesetze planen (Brandenburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen) oder bereits beschlossen haben (Bayern) sind die Landtagsfraktionen von Bündnis 90 / Die Grünen Teil der Bürgerrechtsbewegung, die sich - teilweise in Massenprotesten (Demonstrationen in München, Düsseldorf und Hannover) - gegen den Abbau von Grundrechten zur Wehr setzen. In Bayern hat die Landtagsfraktion von Bündnis 90 / Die Grünen gar eine eigene Verfassungsbeschwerde gegen die Verschärfungen im dortigen Polizeiaufgabengesetz auf den Weg gebracht.

Wir bitten Sie, die in der vergangenen Legislaturperiode beschlossenen Verschärfungen zu Lasten der Bürger*innenrechte im Hessischen Sicherheits- und Ordnungsgesetz und im Hessischen Verfassungsschutzgesetz einer Überprüfung hinsichtlich Wirksamkeit und Verträglichkeit mit Demokratie und Grundrechten zu unterziehen und verweisen dabei auf die zahlreichen eingereichten Stellungnahmen. Sollten die Maßnahmen sich darin als untauglich oder demokratiefeindlich erweisen, bitten wir Sie, die Verschärfungen vollständig rückgängig zu machen!

Zugleich regen wir an, dass Sie die Initiative dafür ergreifen, das Hessische Informationsfreiheitsgesetz in der kommenden Legislaturperiode zu einem Transparenzgesetz nach Hamburger Vorbild weiter zu entwickeln.

Bei Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen




  • Attac Regionalgruppe Rüsselsheim und Umgebung

  • Bündnis „Demokratie statt Überwachung“ Darmstadt

  • Bündnis gegen Berufsverbote Hessen

  • Chaos Computer Club Darmstadt, stellvertretend für das Bündnis hessentrojaner.de der Hessischen Erfahrungsaustauschkreise und Chaostreffs des CCC

  • Chaos Computer Club Frankfurt

  • dieDatenschützer Rhein Main

  • Digitalcourage e. V.

  • Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FIfF) e. V.

  • Humanistische Union Hessen

  • Humanistische Union Marburg

  • Internationale Liga für Menschenrechte e.V.

  • Komitee für Grundrechte und Demokratie e.V.

  • Marburger Initiative gegen den Überwachungsstaat (MIgÜSt)

  • Piratenpartei Deutschland, Landesverband Hessen

  • Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, Kreisvereinigung Frankfurt

  • Jens Bertrams (Marburg, Journalist, Landessprecher der Humanistischen Union Hessen)

  • Norbert Birkwald (Mörfelden-Walldorf)

  • Uli Breuer (Frankfurt)

  • Jürgen Erkmann (Frankfurt, Mitglied des Ortsbeirats 2, Piratenpartei, Datenschutzberater)

  • Andreas Galatis (Frankfurt)

  • Christian Hachmann (Kassel)

  • Franz-Josef Hanke (Journalist, Vorsitzender der Humanistischen Union Marburg, von 1982 bis 1983 Landesvorsitzender der Grünen Hessen)

  • Friedrich Haug (Darmstadt, Bündnis „Demokratie statt Überwachung“)

  • Philipp Lengemann (Kaufungen)

  • Frank Lerche (Lahntal, Kreistagsabgeordneter der Piratenpartei im Landkreis Marburg-Biedenkopf)

  • Dipl.Ing. Volker Marx, (Frankfurt, kommunaler Mandatsträger)

  • Helga Röller (Frankfurt)

  • Jochen Schäfer (Marburg)

  • Roland Schäfer (Frankfurt, Fachkraft für Datenschutz)

  • Walter Schmidt (Frankfurt)

  • Alex Schnapper, (Frankfurt, Blogger und Netzaktivist, Mitglied im KV Frankfurt der Bündnis 90 / Die Grünen in Hessen)

  • Matthias Schulz (Cölbe, Mitglied im Vorstand der Humanistischen Union Marburg)

  • Axel Seiderer (Rüsselsheim)

  • Dr. Michael Weber (Marburg, Politischer Geschäftsführer, Piratenpartei Hessen)

  • Arthur Weger (Rüsselsheim)

  • Jutta Weißmann (Wiesbaden)


Unterstützende Organisationen und Einzelpersonen jeweils in alphabetischer Reihenfolge

Kontakt: dieDatenschützer Rhein Main (kontakt@ddrm.de) - Walter Schmidt (Tel.: 0152 2151 2453)

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:: Videoüberwachung in der Kasseler Innenstadt und die Frage der Hinweispflicht - ein Schriftverkehr mit dem Hessischen Datenschutzbeauftragten ::

In der aktuellen Diskussion um die Beschilderung von Videoüberwachungsanlagen respektive eine Hinweispflicht von deren Betreibern im öffentlichen Raum Kassel (siehe: https://netzpolitik.org/2017/kassel-treibt-videoueberwachung-trotz-ungeklaerter-rechtsgrundlage-voran) erreichte mich kürzlich der Schriftverkehr zwischen einem Bürger und der Behörde des Hessischen Datenschutzbeauftragten. Hier wurde im Jahr 2016 eine Anfrage gestellt, da der besagte Nutzer des öffentlichen Raumes zwar Videokameras, jedoch keine Beschilderung ausmachen konnte. Meines Wissens nach gab es zum Zeitpunkt des Schriftverkehrs die auch aktuell vorhandene Beschilderung. Jedoch ist dieser Fall sehr bezeichnend für die mangelhafte Verortung der Hinweisschilder zur Videoüberwachung in der Innenstadt Kassel, da diese tatsächlich so plaziert wurden, daß sie nur schwer zu entdecken sind oder gänzlich übersehen werden. Im weiteren verweist die hier einzusehende behördliche Antwort, welche jeglicher individuell-situativen Betrachtung des Falls seitens der Behördenmitarbeiterin mangelt, m.E. auf ein hohes Maß Unwissenheit zur lokalen Situation und/oder ein tatsächlich grundlegendes Desinteresse in bezug auf die Anliegen der Bürger, die hier offenkundig im Stile eines "copy and paste" Verfahrens bedient werden.



BeschilderungHeDaB.pdf